Vogelsang IP
Ehemalige NS-Ordensburg im Nationalpark Eifel
Ein Ort der Täter: 1934 begonnen, 1936 eröffnet. Bis 1939 schulte die NSDAP hier ihren Führungsnachwuchs. Heute ist Vogelsang IP ein internationaler Ort der Erinnerung und Bildung.
Junges Ensemble Mariengarden präsentiert
Das Mädchenorchester von Auschwitz
Eine eigene Fassung nach Texten von Fania Fénelon und Arthur Miller
Januar 1944: Die Pariser Sängerin Fania Fénelon wird nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Im Frauenorchester des Lagers spielt sie um ihr Leben. Seit 2017 erzählt das Junge Ensemble diese Geschichte auf der Bühne.
Zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938
Zweimal an einem Tag
Am Vormittag an einem Ort der Täter, am Abend in Aachen.
In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen.
Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet, Hunderte Menschen ermordet oder in den Tod getrieben, rund 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt. Die Novemberpogrome markieren den Übergang von der Ausgrenzung zur offenen Gewalt, auf einem Weg, der in Auschwitz endete.
88 Jahre später spielen wir ZEITSPIEL an diesem Tag gleich zweimal: um 10:15 Uhr in Vogelsang, einer ehemaligen NS-Ordensburg in der Eifel, und um 19:30 Uhr in der Aula der Viktoriaschule Aachen.
Ehemalige NS-Ordensburg im Nationalpark Eifel
Ein Ort der Täter: 1934 begonnen, 1936 eröffnet. Bis 1939 schulte die NSDAP hier ihren Führungsnachwuchs. Heute ist Vogelsang IP ein internationaler Ort der Erinnerung und Bildung.
Eingang Kurbrunnenstraße
Junge Menschen spielen für junge Menschen: Das Ensemble aus Schülerinnen, Schülern und Ehemaligen des Gymnasiums Mariengarden gastiert an der Viktoriaschule.
Worum es geht
Wer spielt, bekommt Aufschub. Nach wahren Begebenheiten.
Im Januar 1944 kommt die französische Sängerin und Jüdin Fania Fénelon mit einem Transport aus dem Sammellager Drancy nach Auschwitz.
Zusammen mit Marianne, die sie auf der Fahrt kennengelernt hat, wird sie in das Mädchenorchester von Auschwitz-Birkenau aufgenommen, das die Geigerin Alma Rosé leitet. Das Orchester ist ein Arbeitskommando wie jedes andere. Es spielt morgens am Tor, wenn die Kolonnen ausrücken, und abends bei ihrer Rückkehr. Es spielt für die SS. Und wer spielt, bekommt Aufschub.
Frauen und Mädchen aus vielen Nationen, Religionen und Überzeugungen werden zusammengewürfelt. Es entstehen Streit und Freundschaft, Solidarität und Verrat. Über allem liegen die Angst und der Rauch der Schornsteine. Dann stirbt Alma Rosé, und die Front rückt näher.
ZEITSPIEL ist die eigene Fassung des Jungen Ensembles. Sie entstand aus Arthur Millers „Spiel um Zeit“, aus Fania Fénelons Bericht und aus Gesprächen mit Überlebenden des Orchesters.
Eine umstrittene Vorlage
Fénelons Buch erschien 1976 und löste bei anderen Musikerinnen des Orchesters Entsetzen aus, vor allem wegen ihres Bildes von Alma Rosé. Die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch hat für unser Programmheft aufgeschrieben, was sie daran für falsch hält. Wir spielen das Stück mit diesem Widerspruch und nicht an ihm vorbei. Ihre Worte lesen
Von Birkenau bis heute
Ein Orchester im Vernichtungslager, ein Buch, ein Film, ein Stück. Und ein Ensemble, das es seit 2017 spielt.
Auf Betreiben der SS-Oberaufseherin Maria Mandl entsteht im Frauenlager Birkenau ein Orchester. Erste Leiterin ist die polnische Musiklehrerin Zofia Czajkowska.
Die Wiener Geigerin Alma Rosé übernimmt die Leitung und formt aus Laien und wenigen Berufsmusikerinnen ein ernstzunehmendes Ensemble.
Das Orchester spielt morgens und abends am Lagertor für die Arbeitskolonnen, sonntags Konzerte, dazu auf Befehl für die SS.
Die Cellistin Anita Lasker kommt ins Lager und wird ins Orchester aufgenommen. Das Cello rettet ihr das Leben.
Fania Fénelon wird aus Drancy nach Auschwitz deportiert und Sängerin des Orchesters.
Alma Rosé stirbt. Die Leitung übernimmt Sonia Winogradowa.
Die jüdischen Musikerinnen werden nach Bergen-Belsen verlegt. Das Orchester löst sich auf.
27. Januar: Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee. 15. April: Befreiung von Bergen-Belsen durch britische Truppen.
Mehr als 40 Frauen und Mädchen aus vielen Ländern Europas spielten im Orchester.
Fania Fénelon veröffentlicht „Sursis pour l’orchestre“, auf Deutsch „Das Mädchenorchester in Auschwitz“. Andere Überlebende widersprechen ihrer Darstellung scharf.
Arthur Miller schreibt daraus „Playing for Time“, einen Fernsehfilm mit Vanessa Redgrave als Fania. Später wird es auch ein Bühnenstück: „Spiel um Zeit“.
Das Junge Ensemble beginnt mit Recherchen und Gesprächen mit Überlebenden, unter anderem mit Anita Lasker-Wallfisch und Esther Bejarano.
Das Ensemble bringt „Spiel um Zeit“ auf die Bühne.
ZEITSPIEL entsteht: eine eigene Fassung, als Parallelproduktion und Wiederaufnahme. Ab jetzt geht das Stück auf Reisen.
Gastspiel in Düsseldorf
Gastspiel im Landtag Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Gastspiele in Paris und Erkelenz
Gastspiel in Vechta
Gastspiele in Hückelhoven und Lemgo
Am Holocaust-Gedenktag im Rheder Ei, Rhede
Zweimal an einem Tag: 10:15 Uhr in Vogelsang IP, 19:30 Uhr in Aachen.
Die Menschen hinter der Geschichte
Wer im Orchester spielte, wer davon erzählte und wer widersprach.

Leitung · Violine
1906–1944
Wiener Geigerin, Nichte Gustav Mahlers. Leitete das Orchester ab August 1943 und starb im April 1944 im Lager.

Gesang · Arrangements
† 1983
Pariser Chansonsängerin, Jüdin und Unterstützerin der Résistance. Ihr Bericht von 1976 ist die Vorlage des Stücks.

Violoncello
* 1925
Überlebte Auschwitz und Bergen-Belsen, gründete in London das English Chamber Orchestra mit. Sie schrieb für unser Programmheft.

Akkordeon
1924–2021
Spielte im Orchester Akkordeon und erzählte bis zuletzt in Schulen von Auschwitz. Das Ensemble sprach mit ihr bei den Recherchen.

Film · Bühne
1915–2005
Der amerikanische Dramatiker machte aus Fénelons Bericht „Playing for Time“ (1980), später „Spiel um Zeit“.
„Wenn man überhaupt von einer ‚Heldenrolle‘ in diesem Drama sprechen kann, dann war diese von Alma Rosé gespielt, nicht von Fania Fénelon.“
Anita Lasker-Wallfisch, Cellistin des Mädchenorchesters, in ihrem Text für das Programmheft des Jungen Ensembles
Einige der Musikerinnen
Erinnern 2026
Die letzten Zeitzeugen sind hochbetagt. Antisemitismus ist Alltag.
„Es ist ein Stück gegen das Leugnen, Verharmlosen und Relativieren, ganz gleich, von wem es kommt.“
jüdische Überlebende der Shoah lebten im Januar 2026 noch weltweit, im Schnitt 87 Jahre alt.
Claims Conferenceder 18- bis 29-Jährigen in Deutschland haben die Begriffe „Holocaust“ oder „Schoah“ nie gehört.
Claims Conference, Umfrage Ende 2023, veröffentlicht 2025antisemitische Vorfälle dokumentierte RIAS 2025 in Deutschland, 24 an jedem Tag.
RIAS Bundesverband, Jahresbericht 2025Vorfälle an Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen in NRW, von 1.102 im ganzen Land.
RIAS NRW, 2025„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“
28 Seiten · PDF
Zum Anschauen und Herunterladen: Hintergründe, Stimmen der Überlebenden und die komplette Besetzung.
Inhalt
Das Ensemble auf der Bühne
Theater am Gymnasium Mariengarden
Aus einer Theater-AG in Borken-Burlo wurde eine semiprofessionelle Bühne.
Das Junge Ensemble ist die ehemalige Theater-AG des Gymnasiums Mariengarden in Borken-Burlo.
Seit 2011 hat Sascha Dücker daraus eine semiprofessionelle Truppe mit rund 70 jungen Leuten geformt, die in mindestens zwei parallel laufenden Produktionen spielt. Schülerinnen und Schüler proben gemeinsam mit Ehemaligen, auch an Wochenenden und in den Ferien.
Improvisations- und Szenenunterricht gehören genauso zum Ensemblealltag wie Gastspiele. Bühne, Technik, Grafik, Dramaturgie und Organisation übernehmen langjährige Ensemblemitglieder und Ehemalige selbst.
Ensembleleitung und Regie
Geboren in Düsseldorf, ausgebildet als Opernsänger in Frankfurt am Main, engagiert an der Opéra de la Bastille in Paris, mit Gastspielen bis Santa Fe und Tel Aviv. Er inszenierte Theater, produzierte mit seiner Company voxartis für Fernsehen und Labels und lehrte Musikmanagement. Heute ist er Kulturmanager der Stadt Erkelenz. Das Junge Ensemble leitet er seit 2011.
Spielplan und Chronik
Von Büchner bis ABBA. Und immer wieder Zeitspiel.
Jetzt im Forum Mariengarden
Eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt
Einem Racheengel gleich kehrt Claire Zachanassian nach Jahrzehnten in ihre Geburtsstadt Güllen zurück und fordert Vergeltung für das Unrecht, das ihr widerfuhr. Ihr Vermögen erlaubt ihr den Angriff auf die Männerclique von Güllen. Die Versuchung ist groß, und die Bereitschaft, sich an Unmenschliches zu gewöhnen, wächst.
Stand: September 2026
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