Junges Ensemble Mariengarden präsentiert

Zeitspiel

Das Mädchenorchester von Auschwitz

Eine eigene Fassung nach Texten von Fania Fénelon und Arthur Miller

Januar 1944: Die Pariser Sängerin Fania Fénelon wird nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Im Frauenorchester des Lagers spielt sie um ihr Leben. Seit 2017 erzählt das Junge Ensemble diese Geschichte auf der Bühne.

Montag, 9. November 20262 Vorstellungen
44Tage
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10:15Vogelsang IPEhemalige NS-Ordensburg, Nationalpark Eifel 19:30AachenAula der Viktoriaschule

Zum Gedenken an die Novemberpogrome 1938

Zweimal an einem Tag

9. November

Am Vormittag an einem Ort der Täter, am Abend in Aachen.

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen.

Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet, Hunderte Menschen ermordet oder in den Tod getrieben, rund 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt. Die Novemberpogrome markieren den Übergang von der Ausgrenzung zur offenen Gewalt, auf einem Weg, der in Auschwitz endete.

88 Jahre später spielen wir ZEITSPIEL an diesem Tag gleich zweimal: um 10:15 Uhr in Vogelsang, einer ehemaligen NS-Ordensburg in der Eifel, und um 19:30 Uhr in der Aula der Viktoriaschule Aachen.

1938
88 Jahre
2026
VormittagGastspiel
10:15Uhr

Vogelsang IP

Ehemalige NS-Ordensburg im Nationalpark Eifel

Ein Ort der Täter: 1934 begonnen, 1936 eröffnet. Bis 1939 schulte die NSDAP hier ihren Führungsnachwuchs. Heute ist Vogelsang IP ein internationaler Ort der Erinnerung und Bildung.

Eintritt13 €Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte frei
AbendGastspiel
19:30Uhr

Aula der Viktoriaschule Aachen

Eingang Kurbrunnenstraße

Junge Menschen spielen für junge Menschen: Das Ensemble aus Schülerinnen, Schülern und Ehemaligen des Gymnasiums Mariengarden gastiert an der Viktoriaschule.

Eintritt5 €

Worum es geht

Das Stück

Wer spielt, bekommt Aufschub. Nach wahren Begebenheiten.

Im Januar 1944 kommt die französische Sängerin und Jüdin Fania Fénelon mit einem Transport aus dem Sammellager Drancy nach Auschwitz.

Zusammen mit Marianne, die sie auf der Fahrt kennengelernt hat, wird sie in das Mädchenorchester von Auschwitz-Birkenau aufgenommen, das die Geigerin Alma Rosé leitet. Das Orchester ist ein Arbeitskommando wie jedes andere. Es spielt morgens am Tor, wenn die Kolonnen ausrücken, und abends bei ihrer Rückkehr. Es spielt für die SS. Und wer spielt, bekommt Aufschub.

Frauen und Mädchen aus vielen Nationen, Religionen und Überzeugungen werden zusammengewürfelt. Es entstehen Streit und Freundschaft, Solidarität und Verrat. Über allem liegen die Angst und der Rauch der Schornsteine. Dann stirbt Alma Rosé, und die Front rückt näher.

ZEITSPIEL ist die eigene Fassung des Jungen Ensembles. Sie entstand aus Arthur Millers „Spiel um Zeit“, aus Fania Fénelons Bericht und aus Gesprächen mit Überlebenden des Orchesters.

Eine umstrittene Vorlage

Nicht jede Überlebende erkannte sich wieder.

Fénelons Buch erschien 1976 und löste bei anderen Musikerinnen des Orchesters Entsetzen aus, vor allem wegen ihres Bildes von Alma Rosé. Die Cellistin Anita Lasker-Wallfisch hat für unser Programmheft aufgeschrieben, was sie daran für falsch hält. Wir spielen das Stück mit diesem Widerspruch und nicht an ihm vorbei. Ihre Worte lesen

Nach Texten von
Fania Fénelon und Arthur Miller
Regie
Sascha Dücker
Dramaturgie
Gabriele Heuveldop-Müller
Auf der Bühne
seit 2017, als ZEITSPIEL seit 2018
Besetzung
33 Rollen, gespielt von Schülerinnen, Schülern und Ehemaligen
Gastspiele
Düsseldorf, Landtag NRW, Paris, Erkelenz, Vechta, Hückelhoven, Lemgo, Rhede, Vogelsang, Aachen
In Zusammenarbeit mit
der Antisemitismusbeauftragten des Landes NRW

Von Birkenau bis heute

Die Geschichte

Ein Orchester im Vernichtungslager, ein Buch, ein Film, ein Stück. Und ein Ensemble, das es seit 2017 spielt.

IDas Orchester

Frauenlager Auschwitz-Birkenau, 1943 bis 1945

  1. 1943

    Auf Betreiben der SS-Oberaufseherin Maria Mandl entsteht im Frauenlager Birkenau ein Orchester. Erste Leiterin ist die polnische Musiklehrerin Zofia Czajkowska.

  2. August 1943

    Die Wiener Geigerin Alma Rosé übernimmt die Leitung und formt aus Laien und wenigen Berufsmusikerinnen ein ernstzunehmendes Ensemble.

  3. Alltag

    Das Orchester spielt morgens und abends am Lagertor für die Arbeitskolonnen, sonntags Konzerte, dazu auf Befehl für die SS.

  4. Dezember 1943

    Die Cellistin Anita Lasker kommt ins Lager und wird ins Orchester aufgenommen. Das Cello rettet ihr das Leben.

  5. Januar 1944

    Fania Fénelon wird aus Drancy nach Auschwitz deportiert und Sängerin des Orchesters.

  6. 4. April 1944

    Alma Rosé stirbt. Die Leitung übernimmt Sonia Winogradowa.

  7. Herbst 1944

    Die jüdischen Musikerinnen werden nach Bergen-Belsen verlegt. Das Orchester löst sich auf.

  8. 1945

    27. Januar: Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee. 15. April: Befreiung von Bergen-Belsen durch britische Truppen.

Mehr als 40 Frauen und Mädchen aus vielen Ländern Europas spielten im Orchester.

IIVom Bericht zur Bühne

1976 bis heute

  1. 1976

    Fania Fénelon veröffentlicht „Sursis pour l’orchestre“, auf Deutsch „Das Mädchenorchester in Auschwitz“. Andere Überlebende widersprechen ihrer Darstellung scharf.

  2. 1980

    Arthur Miller schreibt daraus „Playing for Time“, einen Fernsehfilm mit Vanessa Redgrave als Fania. Später wird es auch ein Bühnenstück: „Spiel um Zeit“.

  3. 2015

    Das Junge Ensemble beginnt mit Recherchen und Gesprächen mit Überlebenden, unter anderem mit Anita Lasker-Wallfisch und Esther Bejarano.

  4. 2017

    Das Ensemble bringt „Spiel um Zeit“ auf die Bühne.

  5. 2018

    ZEITSPIEL entsteht: eine eigene Fassung, als Parallelproduktion und Wiederaufnahme. Ab jetzt geht das Stück auf Reisen.

  6. 2019

    Gastspiel in Düsseldorf

  7. 2021

    Gastspiel im Landtag Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf

  8. 2022

    Gastspiele in Paris und Erkelenz

  9. 2024

    Gastspiel in Vechta

  10. 2025

    Gastspiele in Hückelhoven und Lemgo

  11. 27. Januar 2026

    Am Holocaust-Gedenktag im Rheder Ei, Rhede

  12. 9. November 2026

    Zweimal an einem Tag: 10:15 Uhr in Vogelsang IP, 19:30 Uhr in Aachen.

    Zu den Terminen →

Die Menschen hinter der Geschichte

Stimmen

Wer im Orchester spielte, wer davon erzählte und wer widersprach.

Alma Rosé mit Geige, Porträt um 1930

Leitung · Violine

Alma Rosé

1906–1944

Wiener Geigerin, Nichte Gustav Mahlers. Leitete das Orchester ab August 1943 und starb im April 1944 im Lager.

Fania Fénelon, Porträt

Gesang · Arrangements

Fania Fénelon

† 1983

Pariser Chansonsängerin, Jüdin und Unterstützerin der Résistance. Ihr Bericht von 1976 ist die Vorlage des Stücks.

Anita Lasker-Wallfisch, Porträt

Violoncello

Anita Lasker-Wallfisch

* 1925

Überlebte Auschwitz und Bergen-Belsen, gründete in London das English Chamber Orchestra mit. Sie schrieb für unser Programmheft.

Esther Bejarano am Mikrofon

Akkordeon

Esther Bejarano

1924–2021

Spielte im Orchester Akkordeon und erzählte bis zuletzt in Schulen von Auschwitz. Das Ensemble sprach mit ihr bei den Recherchen.

Arthur Miller, Porträt

Film · Bühne

Arthur Miller

1915–2005

Der amerikanische Dramatiker machte aus Fénelons Bericht „Playing for Time“ (1980), später „Spiel um Zeit“.

„Wenn man überhaupt von einer ‚Heldenrolle‘ in diesem Drama sprechen kann, dann war diese von Alma Rosé gespielt, nicht von Fania Fénelon.“

Anita Lasker-Wallfisch, Cellistin des Mädchenorchesters, in ihrem Text für das Programmheft des Jungen Ensembles
Handschriftliche Notiz von Anita Lasker-Wallfisch an Sascha Dücker
Ihre handschriftliche Notiz an Sascha Dücker: „Vielleicht können Sie die paar Zeilen gebrauchen? Es wäre bedeutend mehr zu sagen – but this is in a nutshell.“

Einige der Musikerinnen

  • Alma RoséVioline, Leitung
  • Zofia Czajkowskaerste Leiterin
  • Anita LaskerVioloncello
  • Esther BejaranoAkkordeon
  • Fania FénelonGesang, Arrangements
  • Hilde GrünbaumVioline
  • Yvette AssaelKontrabass
  • Sonia WinogradowaLeitung ab April 1944

Erinnern 2026

Warum jetzt

Die letzten Zeitzeugen sind hochbetagt. Antisemitismus ist Alltag.

„Es ist ein Stück gegen das Leugnen, Verharmlosen und Relativieren, ganz gleich, von wem es kommt.“

Sascha Dücker, Regie, in „Wehret den Anfängen“, Programmheft 2026

196.600

jüdische Überlebende der Shoah lebten im Januar 2026 noch weltweit, im Schnitt 87 Jahre alt.

Claims Conference
12 %

der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland haben die Begriffe „Holocaust“ oder „Schoah“ nie gehört.

Claims Conference, Umfrage Ende 2023, veröffentlicht 2025
8.725

antisemitische Vorfälle dokumentierte RIAS 2025 in Deutschland, 24 an jedem Tag.

RIAS Bundesverband, Jahresbericht 2025
140

Vorfälle an Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen in NRW, von 1.102 im ganzen Land.

RIAS NRW, 2025

„Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen: darin liegt der Kern dessen, was wir zu sagen haben.“

Primo Levi, Überlebender von Auschwitz, 1986

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28 Seiten · PDF

Programmheft

Zum Anschauen und Herunterladen: Hintergründe, Stimmen der Überlebenden und die komplette Besetzung.

Inhalt

  1. 04Zum Stück
  2. 05Vorwort von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger
  3. 06Besetzung
  4. 09Gedanken des Regisseurs
  5. 10Anita Lasker-Wallfisch
  6. 11Fania Fénelon · Das Orchester
  7. 12Alma Rosé
  8. 15Arthur Miller
  9. 16Zitate: Die Täter · Die Opfer
  10. 18Erinnern ohne Zeitzeugen?
  11. 20Feindbild Jude
  12. 22Saisonbeginn
  13. 24Angelus Novus

Das Ensemble auf der Bühne

Besetzung

Fania Fénelon
Tiana Wilting
Alma Rosé
Sophia Lechler
Marianne
Ida Roleff
SS-Lagerführerin Maria Mandel
Kerstin Eming
KZ-Lagerleiter Josef Kramer
R. Egging, T. Kutschki
Dr. Josef Mengele
Gabriel von Dehn
Dolmetscherin Mala
Julia Klüppel
Frau Schmidt
Patricia Kohlruss
Tschaikowska
Zoë von Dehn
Lager-Hausmeister Schmuel
Noah Husic
Etalina
Nina Bußkönning
Elzvieta
Thea Eming
Olga
Lara Doods
Lotte
Lora Walhof
Paulette
Anne Kleine-Boes
Liesle
Lea Hollad
Helene
Celina Bösing
Esther
Luisa Nienhaus
Greta
Rahel von Dehn
Warja
Julia Vogel
Blockowa
Sophia Wieneke
SS-Obergruppenführer Heinz
N. N.
SS-Oberscharführer
Jordan Rottmann
SS-Gruppenführer Müller
Thomas Wortmann
Soldat
Lian Glebo
Cellist
Nils Ciroth
Kapo Roman
Peter Kormann
Kapo Oleg
Till Kutschki
Kapo Karl
Leander Schmäing
Kapo Vladek
Max Keller
Kapo François
Tom Stegers
Leila
Ariana Mic
Magdalena
Lennya Bösing

Hinter der Bühne

Ensembleleitung, Regie
Sascha Dücker
Regieassistenz, Organisation
Luisa Hidding, Marie-Christin Stenkamp
Dramaturgie
Gabriele Heuveldop-Müller
Licht, Ton
Lars Wilting, Nico Ricken, Timon Schulten, Steffen Michaelis
Sounderstellung
Frederick Pauen / voxartis
Design, Visual Production
Nico Ricken
Bühnenausstattung
Gerrit Dieker, Philipp Doods
Kostüme
Christel und Celina Bösing
Beiträge, Recherche
Sophie Koehne, Fabian Nienhaus, B. Roth, K.-L. Forg, W. Götz

Theater am Gymnasium Mariengarden

Das Ensemble

Aus einer Theater-AG in Borken-Burlo wurde eine semiprofessionelle Bühne.

Das Junge Ensemble ist die ehemalige Theater-AG des Gymnasiums Mariengarden in Borken-Burlo.

Seit 2011 hat Sascha Dücker daraus eine semiprofessionelle Truppe mit rund 70 jungen Leuten geformt, die in mindestens zwei parallel laufenden Produktionen spielt. Schülerinnen und Schüler proben gemeinsam mit Ehemaligen, auch an Wochenenden und in den Ferien.

Improvisations- und Szenenunterricht gehören genauso zum Ensemblealltag wie Gastspiele. Bühne, Technik, Grafik, Dramaturgie und Organisation übernehmen langjährige Ensemblemitglieder und Ehemalige selbst.

2011gegründet
~70junge Leute
2Produktionen parallel
14Produktionen seit 2014
Sascha Dücker bei einer Probe

Ensembleleitung und Regie

Sascha Dücker

Geboren in Düsseldorf, ausgebildet als Opernsänger in Frankfurt am Main, engagiert an der Opéra de la Bastille in Paris, mit Gastspielen bis Santa Fe und Tel Aviv. Er inszenierte Theater, produzierte mit seiner Company voxartis für Fernsehen und Labels und lehrte Musikmanagement. Heute ist er Kulturmanager der Stadt Erkelenz. Das Junge Ensemble leitet er seit 2011.

Spielplan und Chronik

Repertoire

Von Büchner bis ABBA. Und immer wieder Zeitspiel.

Jetzt im Forum Mariengarden

Der Besuch der alten Dame

Eine tragische Komödie von Friedrich Dürrenmatt

Einem Racheengel gleich kehrt Claire Zachanassian nach Jahrzehnten in ihre Geburtsstadt Güllen zurück und fordert Vergeltung für das Unrecht, das ihr widerfuhr. Ihr Vermögen erlaubt ihr den Angriff auf die Männerclique von Güllen. Die Versuchung ist groß, und die Bereitschaft, sich an Unmenschliches zu gewöhnen, wächst.

Vorstellungen
Do 24.09. und Fr 25.09., 19:30 Uhr
So 27.09.2026, 18:00 Uhr
Spielstätte
Forum Mariengarden, Borken-Burlo
Dauer
ca. 2 Std. 30 Min., eine Pause
Regie
Maximilian Keller und Noah Husic

Alle Produktionen

  1. 2026Der Besuch der alten DameFriedrich Dürrenmatt
  2. 2026Die Wellenach dem Roman von Morton Rhue
  3. 2025GreaseMusical
  4. 2024Tot ist Tot
  5. 2023Mamma MiaMusical mit Songs von ABBA
  6. 2021Les MisérablesMusical
  7. 2020My Fair LadyMusical
  8. 2019Des Teufels GeneralCarl Zuckmayer
  9. 2018FameMusical
  10. seit 2018Zeitspieleigene Fassung nach Fénelon und Miller
  11. 2017Spiel um ZeitArthur Miller
  12. 2016Die 8 FrauenRobert Thomas
  13. 2015WoyzeckGeorg Büchner
  14. 2014Liebe Jelena SergejewnaLjudmila Rasumowskaja